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Um 1905
Richter kommt - erst 24 Jahre alt - als frisch gebackener "Dr. jur." und Gerichtsreferendar nach Berlin. Noch während seines Studiums hatte er Zeit gefunden, sich ausgiebig mit Pädagogik und bestehenden "Internatsanstalten" zu befassen. Mit Empfehlungsschreiben in der Tasche baut er Kontakte zu hilfreichen Honoratioren auf. Im Verein mit Vertretern von Ministerien und Dahlemer Regionalbehörden wird der Plan salonfähig gemacht: ein "deutsches Oxford" soll entstehen, ein Privatgymnasium, v.a. für Kinder des Landadels, exklusiv aber ohne 'Klassenschranken'. So wird aus einer Vision ein finanzierbares Projekt. Wohlweislich reserviert Richter sich die pädagogische Oberhoheit, um sein Familienkonzept mit handverlesenen Lehren ungestört umsetzen zu können.
1907
Das Architekten-Duo Friedrich und Wilhelm Hennings gestaltet nach Richters Wünschen die Gesamtanlage: das Haupthaus, mit drei Flügeln und 70 m hohem Turm, sowie neu Schülerheime westlich davon (Grundstück heute begrenzt von Königin-Luise-Straße und Clay-Allee). Das "Alumnat" soll westlich des Hauptgebäudes entstehen (Grundstück heute begrenzt von Königin-Luise-Straße und Clay-Allee): die "Schülerheimkolonie" - ein Villenviertel im Grünen, von deutschem Wald umrauscht...

Der Kaiser gestattet dem AGD am Grunewaldsee, der seinerzeit Krongut war, eine eigene Badeanstalt zu eröffnen. Dieses und der Umstand, dass das AGD sehr stark von Adeligen frequentiert wurde, veranlasste die Presse, die neue Schule als "Schülerheimkolonie des Kaisers" zu bespötteln und ihr Ehrentitel wie "Junkerschule" oder "Feu-Dahlem" zu verleihen. Die Arndter dagegen betonen, gleichermaßen bürgerlichen wie adeligen Kreisen offen zu sein und keinerlei Unterschiede zu machen zwischen Heimschülern und Externen.

Das AGD erwirbt eine Mitgliedschaft im Schülerruderverein "Wannsee" und entwirft sich eine Flagge, die bis heute munter hinter den Ruderbooten herflattert. Auch über den Ruderclub hält der Kaiser seine schützende Hand.
1909
Endlich ist das Schulgebäude fertig. Mit großem Festakt wird am 16. Oktober eröffnet. "Die Farbenfreudigkeit, welche in der kräftigen Tönung der verwandten Baumaterialien, dem satten Rot der Ziegeldächer und dem lebhaft gefärbten Anstrich der Holzteile, Fensterläden usw. zum Ausdruck kommt, trägt dem vom Walde und von fruchtbaren, leuchtenden Feldern umgebenen Gelände Rechnung und verleiht der Landschaft heiteres Leben." Auch das Alumnat wird Zug um Zug fertiggestellt. Seit 1908 entstehen in rascher Folge 9 villenartige Heime (Die ursprünglich geplanten 17 werden nie umgesetzt).
1921
Die erste Nummer der Dahlemer Blätter erscheint. Bis 1944 erscheint die erste Serie der offiziellen Hauspostille des AGD. 1950 beginnt die Nachkriegsserie zu erscheinen.

1922
Am 18.2.1922 findet der erste "Dahlemer Tag" statt: ehemalige Heimler, Altschüler und später auch frühere Lehrer treffen sich wieder, schwelgen in Erinnerungen oder kümmern sich, wenn irgendwo bei ihrem langjährigen Zuhause der Schuh drückt oder es gilt, die materiellen Möglichkeiten zu vermehren. Man ist vermögend, und so wird manch eine Stiftung dem AGD vermacht (z.B. die"Martin-Eduard-von-Simson-Stiftung", die "würdige" Abiturienten prämiiert; Eduard von Simson war ein jüdischer Politiker "erbkaiserlicher" Gesinnung und Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung 1849.
1922 gründet sich ebenso (anstelle sonst üblicher "Elternbeiräte") die "Vereinigung der Freunde des Arndt-Gymnasiums"
1926
Das AGD bekommt sein eigenes Schwimmbad - auf eigenem Grund und Boden.

Auch das restliche Sportleben darf durchaus nobel genannt werden: In feinem Weiß gekleidet spielen die jungen Herren auf eigenen Plätzen Tennis (was damals keineswegs ein "Breitensport" war...). Und der Ruderclub mehrt seinen Bootsbestand bis auf 8 stolze Schiffe.
Das AGD gönnt sich ein größeres Ferienhaus: das neue "Heidehaus". Am Klostersee gegenüber dem Kloster Lehnin wird vom "Verein Heidehaus" ein Grundstück gepachtet und ein (expressionistischer) Architekt beauftragt. Der Strand - 300 m breit - liegt gleich vorm Haus und am Steg wartet eine kleine Flotillie von Bötchen aller Art...
1943
Eine Luftmine trifft das Schulgebäude. Auch drei Häuser des Heims werden schwer beschädigt. Es wird Befehl zur Evakuierung der Schüler gegeben (Umzug in andere Quartiere überall im "Reich" [Crossen an der Oder und Mallnitz in Kärnten]).

1946
Die ersten Mädchen dürfen auf das AGD. "Koedukation" nannte und nennt man das pädagogische Wagnis.
1947-50
Der Wiederaufbau der Schulewird in Angriff genommen. Die Arbeiten werden von einer Arbeitsgemeinschaft unter der Leitung des bekannten Architekten Prof. Bruno Paul (1874-1968) geleitet (von Paul, einem Mitbegründer des fortschrittlich gesinnten "Deutschen Werkbunds" (1907) dessen Werk vom späten Jugendstil zur Moderne überleitete.
1951
Eine neue Turmuhr wird als Krönung des Wiederaufbaus in Betrieb genommen; ebenso das Schwimmbecken, welches allerdings traurigerweise irgendwann im Zuge der "Abwicklung" der Richterschen Stiftung zwischen 1981 und '85 (soweit der Chronist zu sagen weiß) wieder zugeschüttet werden wird...
1956
Der "Verein der Freunde des Arndt-Gymnasiums - Alte Arndter" wird wiedergegründet (vgl. 1922). Man begleitet das Schulleben mit Rat und Tat, sprich mit Kommentaren, Spenden und Sportaktionen.
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